Eine kleine Geschichte des Latex:
KAUTSCHUK, die Milch des Kautschukbaumes ist der Grundstoff für die Latex- und Gummiproduktion. Der Baum produziert die Milch um Verletzungen der Rinde sofort zu verschließen, damit Bakterien und Schädlinge dem Baum nicht schaden können.
Beheimatet ist der Kautschukbaum in den Regenwäldern von Amazonien in Südamerika. Die Ureinwohner benutzen dieses Naturprodukt für das Abdichten von Gefäßen, fertigen wasserdichter Stoffe, auch elastische Bälle werden daraus hergestellt. Ab 1600 v.Chr. können Latexprodukte als Grabbeigaben nachgewiesen werden. Die Völker Amazoniens nutzten dieses Naturprodukt auf vielfältige Weise.
Der Name kommt von „cao“ der Baum und „chu“ Tränen, also der tränende Baum.
Kolumbus und Cortes lernten auf ihren Entdeckerreisen dieses Material kennen.
Begriffsklärung:
Ursprünglich ist KAUTSCHUK ("cao" "chu") die Träne des Baumes. Heute heißt das LATEX (von Latices = wässrige Suspensionen). Erst nach der Bearbeitung der Latexmilch, das Wasser wird entfernt, heißt das Rohprodukt, das ist haltbar KAUTSCHUK. Durch VULKANISATION entsteht daraus Natur-GUMMI.
Die Geschichte:
Einmal in Europa setzten sich Erfinder und Wissenschaftler mit diesem Material auseinander:
Jetzt beginnt eine spannende Geschichte:
1761 wurde ein Lösungsmittel für festen Kautschuk entdeckt.
1770 erfand Joseph Priestley den Radiergummi. Daher auch die Bezeichnung „Rubber“ von to rub, reiben.
1791 wurde ein Patent erteilt, in Terpentin gelösten Kautschuk auf textiles Material aufzutragen.
1824 Entwicklung von Regenmänteln, benannt nach Ihrem Erfinder Charles Macintosh (1766-1843). Ihm gelang es mit Hilfe Naphta (ein Produkt aus der Erdölfraktion) als Lösungsmittel Kautschuk zu verflüssigen und auf Textilien aufzutragen.
Jedoch dieses Verfahren hatte große Nachteile, bedingt durch die Eigenschaften des Kautschuks. Bei Wärme wurde er klebrig, bei Kälte hart und zerbrechlich.
Ein Amerikaner, Charles Goodyear experimentierte sein Leben lang mit diesem Material, er ruinierte seine Gesundheit, indem er mit hochgiftigen Chemikalien experimentierte und seine Familie, einige seiner Unternehmungen führten nicht zum Erfolg, z.B. die Produktion von wasserdichten Postsäcken.
Ein Zufall führte ihn schließlich zum Erfolg: Ein Tiegel mit Kautschukmilch und Schwefel fiel auf dem Herd um, die Flüssigkeit lief auf die heiße Herdplatte und das Kautschuk wurde fest und blieb trotzdem sehr elastisch.
1839 erfindet so Charles Goodyear die Vulkanisation von Kautschuk. (Benannt nach Vulkan, dem griechischen Gott des Feuers).
Das Patent wurde angemeldet und nach zahlreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Widersachern auch anerkannt.
1850 gelang ihm die Herstellung von Hartgummi.
1851 stattete er auf der Weltausstellung in London einen Pavillion mit Gummimöbeln und Vorhängen aus. Auf einer ähnlichen Ausstellung in Paris wurde er von Napoleon III hoch geehrt.
1855 produziert er Kondome in einer Stärke von 2mm mit Naht, die 1870 in Serienproduktion gingen.
Mit dieser Erfindung des vulkanisierten Kautschuks, nunmehr als Latex, Gummi oder rubber bezeichnet schenkte Goodyear der Technik einen universalen Werkstoff, ohne den unser Leben heute undenkbar wäre.
Mit der Erfindung des Luftreifens, 1845 durch Robert William Thomson beginnt die Area des Kautschuks in der Reifenindustrie.
Nur Goodyear konnte sich an seiner Erfindung nicht erfreuen, krank und durch zahlreiche Patentprozesse wirtschaftlich ruiniert starb er 1860. 38 Jahre später gründeten deutsche Einwanderer in Amerika eine Gummi- und Reifenfirma, die sie zu Ehren des Erfinders Goodyear Tire and Rubber Company nannten.
Der benötige Kautschuk kam immer noch aus Brasilien. Der Kautschuk sammelten einheimische Arbeiter und machten die Kautschukbarone unermesslich reich:
1825 wurden 38 Tonnen Kautschuk produziert, 1840 388 Tonnen und 1870 8000 Tonnen. 1861 war Kautschuk teuerer als Silber.
Ende des 19. Jahrhunderts bauten die Kautschukbarone in Manaus, einer kleinen Stadt am Rio Negro ein Opernhaus, das Teatro Amazonas, die Auffahrt war mit Kautschuk gepflastert, damit die Kutschen geräuschlos vorfahren konnten. In diesem Opernhaus einer Stadt im Urwald fanden zu dieser Zeit opulente Aufführungen statt. Manaus wurde zur modernsten Stadt in Brasilien mit Elektrizität und Straßenbahn, mit internationalen Schiffsverbindungen, Manaus wurde in kurzer Zeit zu einer internationalen Metropole.
Der Film Fitzcerraldo von Werner Herzog mit Klaus Kinski spielt in diese Zeit.
1876 gelang es Samen des Kautschukbaums außer Landes zu schmuggeln, bei hoher Strafe verboten. In London hochgezogen erreichten aber nur wenige der Bäume Malaysia, legten dort aber den Grundstein für den Plantagemäßigen Anbau von Kautschukbäumen. Gebrochen wurde das Kautschukmonopol Brasiliens ca. 1910.
Heute wird Kautschuk weltweit produziert, vor allem in Asien und Afrika. Hauptproduzenten sind die Länger Thailand, Indonesien, Malaysia, Indien und China.
Einige weitere interessante Produkte aus Latex:
Das Kondom, benannt nach Dr. Condom, Hofarzt Charles II, damals waren es noch Hammeldärme. 1855 produziert Goodyear das erste Kondom aus Latex, es wird ab 1870 serienmäßig produziert in 2mm Stärke. Die heutigen Kondome haben eine Materialstärke die kleiner ist als 0,1mm. 1912 entwickelte der Gummifabrikant Julius Fromm in Deutschland das erste nahtlose Kondom, dann hießen sie hierzulande die Fromms.
Der Rosenheimer Schneidermeister Klepper entwickelte ab 1920 den Kleppermantel mit einem besonderen Belüftungssystem (Rillo Lüftung) und Futter (Atmos Futter). Dieser federleichte wasserdichte Regenmantel wurde bis 1969 erfolgreich produziert. Auch das Klepperboot, ein leichtes Paddelboot kommt aus seiner Werkstatt.
Der letzte Kleppermantel wurde 1988 hergestellt und die Mäntel haben nur noch unter Fetischisten eine treue Anhängerschaft und werden teuer gehandelt.
Der zunehmende Einsatz von Gummiprodukten in der Technik machte die Großmächte vom Weltmarkt abhängig. Darum arbeiteten zahlreiche Wissenschaftler an der Entwicklung künstlichen Gummis aus Steinkohleteer oder Erdöl.
1909 wurde der erste künstliche Kautschuk unter dem Namen Buna patentiert. Fritz Hofmann, ein deutscher Chemiker wurde dadurch weltberühmt.
Im ersten Weltkrieg war Deutschland diesem wichtigen Rohstoff abgeschnitten. Man versuchte diesen kostbaren Saft auch aus anderen Pflanzen zu gewinnen, u.a. auch aus Löwenzahn. Doch der Anteil von Kautschuk in diesen Pflanzensäften war gering, die Gewinnung aufwendig.
In zweiten Weltkrieg wurde unter der Regie der IG die Bunawerke aufgebaut.
2005 wurden weltweit 8,84 Millionen Tonnen Kautschuk hergestellt.